Wie kommt der Film auf die Leinwand, wer wählt das Programm aus und wie funktioniert die Arbeit hinter den Kulissen eines Kinos? Um diese und viele weitere Fragen zu klären, besuchte der Filmseminarkurs des Hilda-Gymnasiums am 11. Oktober einen der Kooperationspartner, das Kommunale Kino Pforzheim (KoKi). Die Leiterin des Hauses, Frau Müh, gab den Schülerinnen und Schülern dabei umfassende und spannende Einblicke in den Kinobetrieb.  

Das Kommunale Kino wird von einem Trägerverein betrieben. Für das abwechslungsreiche Programm sorgt ein ehrenamtlicher Programmrat, in dem derzeit besonders viele junge Menschen engagiert sind. Das Gremium kommt an jedem letzten Montag im Monat zusammen. Ein besonderes Highlight für Filmliebhaber ist zudem die regelmäßige Sneakpreview am „geheimen Mittwoch“.

Beim Rundgang durch das Kino wurde der Wandel der Kinotechnik greifbar: Neben einem modernen Laser-4K-Projektor steht dort nach wie vor ein klassischer 35-mm-Projektor. Eindrucksvoll zeigte sich der Unterschied der Generationen: eine traditionelle Filmrolle mit 1,2 Kilometern Filmlänge wiegt rund 17 Kilogramm. Früher war die Vorführarbeit auch wegen dieses hohen Gewichts meist Männersache. Heute hingegen erfolgt die Anlieferung fast immer digital über das Internet oder per Festplatte, und die gesamte Steuerung der Vorführung läuft bequem online per Notebook. Über ein spezielles Editionsprogramm lässt sich der gesamte Ablauf präzise programmieren: vom Dimmen des Saallichts über das Öffnen des Vorhangs bis hin zur automatischen Schaltung von Vorprogramm, Trailern und Hauptfilm.
Frau Müh kümmert sich um den Filmverleih, die Kalkulation und cineastische Rahmenprogramme.

Im Kinosaal stellte sich der Seminarkurs vor und erläuterte die Beweggründe für die Teilnahme am Kurs, allen haben die Freude am Filmsehen gemeinsam. Frau Müh erklärte die betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Abläufe: Die Arbeit im Kino sei ein klassischer Quereinsteigerberuf, der viel Verwaltungsarbeit wie Buchhaltung und Organisation umfasst. Filme werden von Verleihern gemietet. Während früher die sogenannten „Big Five“ den Markt dominierten, arbeitet das KoKi heute mit rund 50 meist kleineren Verleihern zusammen, die teils auf Nischen wie Dokumentarfilme oder queere Themen spezialisiert sind.

Die Leihgebühren berechnen sich prozentual nach den Ticketerlösen: Der Verleih erhält in der Regel zwischen 38 und 48 Prozent, bei großen Anbietern sogar bis zu 55 Prozent. Zuzüglich fällt pro Film eine Fixgebühr von etwa 150 Euro an sowie die Kosten für das erforderliche Vorführrecht. Da es heutzutage keine klassischen Kopierwerke mehr gibt, die Filmmaterial vervielfältigen oder reparieren, tragen Verleiher und Produzenten das finanzielle Risiko gemeinsam. Die Auswahl der Filme erfolgt meist nach Vorab-Sichtungen auf Filmtagen. Während Blockbuster verlässlich Publikum anlocken, sprechen Nischenfilme wie Dokumentationen gezielt Fachpublikum oder Betroffene an.

Das KoKi zeichnet sich jedoch nicht nur durch reine Filmvorführungen aus, sondern bettet die Werke regelmäßig in Rahmenprogramme ein. Expertinnen und Experten, Regisseure, Komponisten und andere Filmschaffende kommen zu Gesprächen ins Kino. Zudem bestehen enge Kooperationen, etwa mit dem Kulturhaus Osterfeld. Eine etablierte Reihe ist der „Cineastische Salon“, der zeitlose Klassiker zeigt, im Dezember steht der Science-Fiction-Film „Interstellar“ auf dem Programm, an dessen begleitender Podiumsdiskussion mit Prof. Echte (Hochschule Pforzheim) auch die Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses teilnehmen werden.

Der Erfolg gibt dem Koki-Konzept recht: Rund 30.000 Besucherinnen und Besucher zählt das Kino jährlich, davon etwa 15.000 beim beliebten Sommerkino. Hinzu kommen besondere Aktionen des mobilen Kinos an außergewöhnlichen Orten – wie etwa bei der Sprengung der A8-Brücke oder in Obsthallen. Für sein herausragendes Programm wird das Kino regelmäßig ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Lotte-Eisner-Preis.

Zum Abschluss der Exkursion erlebten wir eine digitale Vorführung live. Im Anschluss an eine Reihe aktueller Film-Trailer diskutierte die Gruppe über visuelle Besonderheiten und welcher Trailer sie am meisten ansprach. So fiel bei dem Film Vaterland das nahezu quadratische 4:3-Format auf, ein historisches Bildformat, das den verfügbaren Platz auf dem klassischen Filmstreifen voll ausnutzt.

Eine besondere Überraschung gab es zum Ende des Besuchs: Jeder Schüler und jede Schülerin des Seminarkurses erhielt acht Gutscheine für den Besuch des berechtigt.

Artikel: Frau Schweigert