Schulgeschichte 1849 – 1945

  • Gründung

    Am Schulplatz wird eine Höhere Töchterschule (Privatlehranstalt unter städtischer Leitung im Reuchlinschulhaus) gegründet. 1859 wird der Neubau an der Rosenstraße bezogen. Im Jahr darauf folgt die Anerkennung und der Status als öffentliche Schule.

  • Umbenennung in "Hilda-Schule"

    Nach der Umwandlung zur Mädchenschule im Jahre 1905 wird die Schule 1908 in Hilda-Schule (Höhere Mädchenschule) umbenannt. Man bezieht den ersten Bauabschnitt (Museum-, Ecke Kiehnlestraße).

  • Bezug des Erweiterungsbaus

    Im Zuge des steten Zustroms an Schülerinnen wird nach nur wenigen Jahren ein Erweiterungsbau notwendig. Im Ersten Weltkrieg dienen Teile des Gebäudes an der Luisenstraße als Lazarett und Kleidersammelstelle.

  • erster Abiturjahrgang

    Die Hildaschule wird zu einer Mädchenoberrealschule, sodass im Jahr 1929 das erste Abitur abgenommen werden kann. Der wirtschaftliche Niedergang führt zum Anschluss einer einjährigen Frauenschule, in der junge Mädchen unter anderem zu Kindergärtnerinnen, Säuglingsschwestern und Hauswirtschaftslehrerinnen ausgebildet werden.

  • Repressionen unter der NS-Diktatur

    Die „israelitischen Religionsstunden“ werden abgeschafft, die zweite Fremdsprache gestrichen. Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus müssen Schüler*innen und Lehrkräfte des jüdischen Glaubens die Hilda-Schule verlassen. Weitere Informatione unter www.spurensuche-hildagymnasium.de.

  • Schulschließung und Zerstörung

    Der Schulbetrieb wird 1944 eingestellt; die älteren Schülerinnen müssen in der Rüstungsproduktion arbeiten. Im Zuge des Luftangriffs auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wird das Schulgebäude nahezu völlig zerstört.

Schulgeschichte 1946 – heute

  • Umbenennung in „Hilda-Gymnasium“

    Die Mädchenoberrealschule heißt bekommt ihren heutigen Namen: Hilda-Gymnasium. Die Schülerinnenzahlen pendeln sich auf etwa 700 ein. Als erste Schule in Nordbaden beginnt das Hilda-Gymnasium ab 1962 mit Englisch als erster Fremdsprache.

  • Raumnot und Wanderklassen

    Erstmals besuchen über tausend Schülerinnen und Schüler das Hilda-Gymnasium. Aufgrund von Raumnot werden bis 1981 drei „Wanderklassen“ im Reuchlin-Gymnasium unterrichtet. 1977 wird auch der Förderverein aus der Taufe gehoben, zwei Jahre später die Theater-AG.

  • erste Schritte zur Inklusion

    Eine Initiative von Schülerinnen und Schülern besucht die „Behindertenschule des Caritasverbandes“. 1995 machen erstmals blinde Schülerinnen und Schüler ihr Abitur am Hilda-Gymnasium. Heute sensibilisieren die „Empathietage“ für die Herausforderungen eingeschränkter Menschen.

  • Das Hilda wird digital

    Die erste Webseite des Hilda-Gymnasiums geht online. Ein Jahr später werden Schülerinnen und Schüler für die Entwicklung einer multimedialen Schulzeitung ausgezeichnet. Das naturwissenschaftliche und das sprachliche Profil werden eingeführt.

  • Bezug des Neubaus

    Das Gebäude für das fünfzügige Gymnasium wird feierlich bezogen, die Dreifeldersporthalle („Bertha-Benz-Halle“) am Standort des alten Schulbaus folgt drei Jahre später. Mit dem Umzug wird das Hilda-Gymnasium zur offenen Ganztagsschule.

  • Einführung des Sportprofils

    Neben dem NwT- und Spanisch-Profil wird Sport als drittes Profilfach eingeführt. Im gleichen Jahr gründet sich eine Schülerfirma, um die „Ndwika Girls Secondary School“ in Tansania finanziell zu unterstützen.

Unsere Schulgebäude im Wandel der Zeit

Einige Erinnerungsstücke und Kunstwerke aus dem alten Hilda-Gebäude sind auch in unserem neuen Gebäude zu finden, zum Beispiel die auf dieser Seite gezeigte Wandkeramik „Frühling“ mit Trinkbrunnenschale (1951). Künstlerin: Vera Joho (1895 – 1987).

Namenspatronin

Am 24. Februar 1908 beschloss der Stadtrat der Stadt Pforzheim, „der neuen Höheren Mädchenschule den Namen der jetzigen Großherzogin Hilda – Hildaschule – zu geben“. Unter dem 15. April richtete Oberbürgermeister Habermehl in dieser Sache seine Anfrage an das Geheime Kabinett in Karlsruhe. Rund zwei Wochen später lag die Antwort seiner Excellenz, des Herrn Geheimen Rats Dr. Hugo Freiherr von Babo (datiert „Karlsruhe, den 28. April 1908“), auf Habermehls Tisch: „Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf das geschätzte Schreiben vom 15. d. M. ergebenst zu erwidern, dass die Benennung der dortigen Höheren Mädchenschule mit dem Namen „Hildaschule“ Höchsten Orts genehmigt wurde.“

Im Umfeld der feierlichen Einweihung des ersten Bauabschnitts (Kiehnle-, Ecke Museumstraße) zu Schuljahrsende am 30. Juli 1908 wurde der neue Name der Schule offiziell. Die Großherzogin kam übrigens erst knapp ein Jahr später – auf eine halbe Stunde, aus Anlass des mit Programmpunkten überladenen Antrittsbesuchs „Ihrer Königlichen Hoheiten“ des Großherzogs Friedrich II. von Baden und der Großherzogin Hilda in Pforzheim, am 24. Juni 1909, wo die „hohe Protektorin der Schule“ nachmittags zwischen 5 Uhr 20 und 5 Uhr 50 in der mit Palmen dekorierten heutigen Südturnhalle von der versammelten Schülerinnen- und Lehrerschaft mit zwei Liedern, einem Gedicht, einen Blumenstrauß und einer kurzen Direktorenrede empfangen wurde.

„Bei der darauf folgenden Besichtigung des Hauses sprach die hohe Frau wiederholt ihre Freude aus an den schönen Räumen.“ Nur ein zweites Mal kehrte sie zurück, da war der erste Weltkrieg schon ausgebrochen, der auch ihr Leben verändern sollte. An jenem 16. Oktober 1914 standen die in Pforzheim eingerichteten Lazarette auf dem Programm. Trotzdem hatte sie sich die Zeit genommen, um sich von dem fast fertig gestellten zweiten Bauabschnitt der „Hildaschule“(Museum-, Ecke Luisenstraße mit der Nordturnhalle) ein Bild zu machen. Vier Jahre, einen Monat und sechs Tage später verzichtete ihr Gatte auf den Thron: Hilda war die letzte Großherzogin von Baden.

Prinzessin Hilda Charlotte Wilhelmine von Nassau

Hilda war als Prinzessin Hilda Charlotte Wilhelmine von Nassau am 5. November 1864 in Biebrich geboren worden. Ihre Mutter hieß Adelheid Marie (1833-1916) und war eine Prinzessin von Anhalt. Ihr Vater, Herzog Adolf von Nassau (1817-1905), verlor 1866 sein Herzogtum an Preußen. Er hatte bei dem Konflikt um die Bundesreform und Schleswig-Holstein auf die falsche, die Wiener Karte gesetzt. In Wien und auf Schloß Hohenburg im Isartal (bei Lenggries), das der Vater für die Entschädigung kaufte, verbrachte Hilda ihre Kindheit und Jugend. Sie war sehr sportlich, wanderte und ritt gerne und schätzte das Gebirge, die Natur.

Am 20. September 1885 heiratete Hilda auf Schloss Hohenburg den um sieben Jahre älteren Erbgroßherzog Friedrich von Baden (1857-1928). Es war eine Liebesheirat – und ein Zeichen der Wiederannährung zwischen Nassau und Preußen, denn die Schwiegermutter Hildas, die Großherzogin Luise von Baden, war die einzige Tochter Wilhelms I., des deutschen Kaisers und Königs von Preußen. Siebzehn Jahre lang teilte die Erbgroßherzogin das unstete Garnisonsleben ihres häufig kränkelnden Gatten.
Freiburg, Berlin, wieder Freiburg und schließlich Koblenz waren die Stationen, bis Friedrich 1902 das Kommando des VIII. Armeekorps niederlegte und das Paar nach Karlsruhe zurückkehrte. Die Ehe blieb – für beide schmerzlich – kinderlos.

Am 28. September 1907 verstarb Großherzog Friedrich I. und Friedrich II. trat die Nachfolge in Baden an. Doch das Paar blieb weiter im Erbgroßherzoglichen Palais an der Kriegsstraße wohnen und überließ das Karlsruher Schloß der Großherzogin Luise, die auch in Sachen „Liebestätigkeit“ – so nannte man das soziale Engagement der Fürstinnen – die Fäden in der Hand behielt. Bis auf die repräsentativen Aufgaben als Landesmutter blieb Hilda stets die zweite Position. Der erste Weltkrieg brachte zahlreiche neue Pflichten, die Hilda gewissenhaft erfüllte, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen: Lazarettbesuche, Verabschiedung der ins Feld ziehenden Krankenschwestern, Begrüßung von Verwundetentransporten und Mitarbeit bei Planungen und Ausführungen von Vorhaben des Roten Kreuzes.

Ihre tief empfundene Gläubigkeit half ihr auch, sich mit der neuen Situation nach dem Thronverzicht Friedrichs II. zurechtzufinden. Bis zu seinem Tod am 9. August 1928 pflegte Hilda, umgeben von einem kleinen „Hofstaat“ in Freiburg und Badenweiler, ihren schwerkranken Gatten. Im „Dritten Reich“ hielt sie sich politisch abseits und ließ sich für nichts einspannen. Nach der Zerstörung des Freiburger Palais beim Luftangriff vom 27. November 1944 – sie selbst verließ das Gebäude erst, als der Dachstuhl schon brannte – übersiedelte sie ganz nach Badenweiler, wo sie am 8. Februar 1952 verstarb. Sechs Tage später wurde Hilda von Baden, deren unbedingte Wahrhaftigkeit als vorwaltende Charaktereigenschaft von ihren Zeitgenossen gerühmt worden war, im Großherzoglichen Mausoleum in Karlsruhe an der Seite ihres Gatten beigesetzt.